Säuglingsernährung bei Katastrophen und Krisen

Naturkatastrophen wie die Überschwemmungen im Ahrtal, Erdbeben oder großflächige Waldbränden oder politische Krisen mit Fluchtbewegungen wie in Afghanistan können die Infrastruktur zusammenbrechen lassen: Die Stromversorgung fällt aus, das Trinkwasser wird knapp, der Nachschub für Lebensmittel stockt. Es kann zum Ausbruch von Infektionskrankheiten kommen. 
Die Versorgung von Säuglingen, die auf Muttermilchersatznahrung angewiesen sind, kann rasch kritisch werden. Selbst wenn Nahrung da ist, sind Energie und sauberes Wasser für die Zubereitung der Nahrung und für die Reinigung der Fütterutensilien nicht immer gewährleistet. Das Infektionsrisiko für die Säuglinge steigt steil an.

Bei gestillten Säuglingen bleibt die Ernährung gesichert, solange wenigstens eine Grundversorgung der Mutter mit Wasser und Nahrung möglich ist. Die Muttermilch schützt sie gegen die Krankheitserreger.
Stillunterstützung ist in der Katastrophe nötiger denn je – und für die Mütter noch viel schwerer erreichbar als unter Normalbedingungen.
Allgemeine stillfreundliche Strukturen zu schaffen ist eine zentrale Maßnahme des vorbeugenden Katastrophenschutzes: Je besser Müttern grundsätzlich ermöglicht wird, zu stillen, desto besser sind sie und die Kinder für den Notfall gewappnet. 

In deutschen Katastrophenschutzplänen kommt das Thema nicht vor.

Auf internationaler Ebene gibt es dafür seit 1999 eine hochkarätige Arbeitsgruppe, die Infant Feeding in Emergencies (IFE) core group. Im Juli 2021 hat die Arbeitsgruppe ein Handbuch herausgegeben mit praktischen Empfehlungen und Fallbeispielen für die Beratung zum Stillen, zur Ernährung mit Muttermilchersatznahrung und zur Beikostgabe unter Notfallbedingungen. Sie geben auch konkrete Hinweise für hilfreiche Kommunikation mit Öffentlichkeit, Presse oder Geldgebern, siehe IFE. How to guide.

Ein aktueller Artikel von Hwang et al (2021)  beschreibt Hindernisse und Herausforderungen für die Säuglingsernährung in Katastrophenfällen in Ländern mit mittlerem oder hohem Einkommen an Beispielen aus den letzten zwanzig Jahren.

Utta Reich-Schottky, DAIS gUG, August 2021